Was meine ich mit „verantwortungsvoll“ konsumieren?
Wo liegt der Unterschied zu „nachhaltig“ konsumieren und nachhaltigem Lifestyle?
Im Internet finde ich viele Treffer zu nachhaltig konsumieren und Wikipedia sagt:
„Nachhaltiger Konsum ist Teil einer nachhaltigen Lebensweise und ein Verbraucherverhalten: Umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte zu kaufen, kann politischen Einfluss auf globale Problemlagen ausüben, um die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten zu minimieren.“
Nachhaltigkeit – ein Wort, das seit einigen Jahren in aller Mund ist und leider auch überstrapaziert wird. Ich nehme mir den Bereich der Mode (Textilwirtschaft) vor, naheliegend, verkaufe ich Kleidung.
Unser Kleiderkonsum
Deutsche kaufen im Durchschnitt 40-70 Kleidungsstücke pro Jahr, das sind 11-15 kg. Gemeinsam mit der Schweiz und den USA sind wir damit an der Weltspitze. Ein Grossteil der verkauften Ware wird aus Asien importiert, auch viele bekannte Marken lassen dort produzieren.
Wir betreiben damit auch Raubbau an den Ressourcen auf unserem Planeten. Nur Naturfasern zu tragen, dafür reicht die Anbaufläche gar nicht mehr. Ausführliche Informationen dazu lesen Sie in meinem Blogartikel No. 16 vom 29.05.2017 : Naturfaser – ein Luxusprodukt?
Stand heute gibt es etliche Labels auf dem Markt mit dem Anspruch, Textilien nachhaltig zu produzieren – oder die Rohstoffe, wie Bio-Baumwolle. Für Sie als Verbraucher sehr schwierig zu unterscheiden, welche Aussagekraft wirklich hinter dem einzelnen Label steckt.
Lichtblick im Dschungel der Labels
Wen es interessiert, der kann sich hier den Label Guide von Public Eye einer Schweizer NGO-Organisation (www.publiceye.ch) gratis runterladen. Wertvollen Informationen zu den wichtigsten Labels im Bereich Nachhaltigkeit, sie können eine Orientierungshilfe bieten. Allerdings – so die Aussage auf der Website von Public Eye: „Kein heutiges Label und kein Standard im Textilbereich garantiert eine umfassend sozial- und umweltverträgliche Produktion von Kleidung“.
Der Kassensturz zeigt auf, was das Bio-Label bei Baumwolle bedeutet. Unser Textilexperte David Hachfeld meint dazu: „Nachhaltig, conscious, organic… das sind Buzzwords. Was wirklich zählt ist das, was hinten rauskommt, für die ArbeiterInnen zum Beispiel. Oft sind das kleine Insellösungen, die Nachhaltigkeit simulieren, aber es wird am Geschäftsmodell festgehalten, das auf Ausbeutung basiert.“
Was können Sie als Verbraucher tun?
Sie können darauf achten, wo und wie die Produkte hergestellt werden, unter welchen Bedingungen. Dies ist ein erster Schritt. Der nächste und genauso wichtige Schritt ist der verantwortungsvolle Konsum von Textilien. Hier übernehmen Sie als Verbraucher die Verantwortung. Vorher lag die Verantwortung beim Produzenten.
Welche Möglichkeiten haben Sie für den massvollen, verantwortungsvollen Konsum von Textilien?
- Überlegen Sie sich beim Kauf von Billigprodukten, ob sie diese wirklich brauchen. Auch wenn es „so günstig“ ist, jedes produzierte Kleidungsstück bindet wertvolle Ressourcen mit Materialeinsatz, Arbeitszeit und langen Transportwegen.
- Arbeiten Sie mit Strategie im Kleiderschrank.Stellen Sie sich eine Basis-Garderobe zusammen, die aus 20-30 Kleidungstücken besteht, die alle untereinander kombinierbar sind. Diese Basisstücke dürfen von guter Qualität sein, so haben sie lange Freude daran und sind immer gut angezogen.Vor allem im Business setzen sie mit passender Kleidung Signale für einen guten Eindruck. „Kleider machen Leute“ – dieses altbekannte Sprichwort drückt dies sehr gut aus.
- Nicht alle Kleidungsstücke müssen nach jedem Tragen sofort gewaschen oder in die Reinigung gebracht werden. Oft hilft auch Auslüften und am nächsten Tag ein anderes Kleidungsstück tragen. Waschen bei niedrigen Temperaturen und der Verzicht auf den Tumbler spart wertvolle Energie und Kosten. Tipp: Die Basiskleidungsstücke von meinem Label b.dress sind waschbar bei 30Grad, an der Luft trocknen und anziehen (auch der Blazer).
- Gehen Sie zu Kleidertauschbörsen oder organisieren Sie mit Freundinnen einen Tauschabend. Alternativ kaufen Sie gut erhaltene Kleidungsstücke im Second-Hand-Laden. Oder Kleider-Upcycling – aus alt mach neu, entweder selbst oder gut erhaltene Kleidungsstücke bei einer „Fee“ abgeben, die daraus Neues kreiert. Eine gute Adresse in Zürich ist Eva Waldmann von pret-à-reporter (https://pretareporter.ch/de/home)
Jeder noch so kleine Schritt in diese Richtung ist ein Beginn und viele kleine Schritte bringen sind Sie schneller zu ihren persönlich gesteckten Zielen als gar nicht zu starten.
Für mein Businesskonzept war es 2017 der Schritt hin zur Masskonfektion. Jetzt kann ich eine breitere Farbpalette anbieten und die Kundin individuell dazu beraten. So entstehen Lieblingsstücke für meine Kundinnen und ich führe viele bereichernde Gespräche. Und – ich lasse nur noch Kleidungsstücke produzieren, die gerne getragen werden.
Ich würde mich freuen, wenn dieser Blogartikel Sie ermutigt, kleine Veränderungen in ihren Alltag zu integrieren und Verantwortung zu übernehmen.
Herzlichen Dank
Ihre/Eure Brigitte Frank







